IWF macht Vorschlag zur Rettung der Zinspolitik

16.02.2019
Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hält nun schon eine ganze Zeit lang an. Die Meinungen zu dieser Nullzinspolitik gehen dabei weit auseinander. Finanzexperten sind sich aber sicher, dass es so nicht weitergehen kann. Sollte es jetzt zu einer Wirtschaftskrise kommen, kann die europäische Notenbank nicht gegenlenken.

Leitzins

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist für Verbraucher, die Erspartes auf der Bank haben, schon länger ein Problem. Es gibt auf das Ersparte nämlich kaum bis gar keine Zinsen und es kann sich somit auch nicht vermehren. Wirklich vorteilhaft ist die Nullzinspolitik hauptsächlich für Verbraucher, die einen Kredit benötigen. Die Nullzinspolitik kann aber bald auch für die EZB zum Problem werden. Sollte die Wirtschaft abrutschen, kann die Zentralbank nicht mit Zinssenkungen darauf reagieren. Im März 2016 senkte die EZB den Leitzins für die Europäische Währungsunion auf null Prozent. Hintergrund dieser Senkung ist die Wirtschaftskrise 2008. Seit dieser wurde der Leitzins immer weiter gesenkt, bis er dann schlussendlich auf null Prozent gesetzt wurde. Im Rest der Welt sieht es aber mit dem Leitzins auch nicht viel besser aus. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben einen Leitzins von 2,5 Prozent. In Dänemark, Großbritannien und Norwegen liegt er bei unter einem Prozent. Bei den Notenbanken in der Schweiz, Schweden und Japan gibt es sogar negative Leitzinsen.

Parallelwährungen

Der bereits 1944 gegründete Internationale Währungsfonds (IWF) sieht diese niedrigen Zinsen als großes Problem an. Grund für diese Besorgnis ist, dass historisch gesehen immer Leitzinssenkungen zwischen drei und sechs Prozentpunkten nötig waren, um Wirtschaftskrisen zu bekämpfen. Das ist zu Zeiten der Nullzinspolitik natürlich nicht möglich. Die Notenbanken stehen damit vor einem ziemlichen Dilemma, sollte es zu einer erneuten Wirtschaftskrise kommen. Eine erneute Krise ist nämlich nicht einmal so unrealistisch. Der IWF musste jetzt erst seine Wirtschaftsprognose für die Weltwirtschaft erneut nach unten korrigieren. Deshalb hat er sich eine Lösung für dieses Problem überlegt. Eine mögliche Problembeseitigung, um das Dilemma zu lösen, könnte sein, dass das Bargeld abgeschafft und vollständig auf elektronische Zahlungssysteme gesetzt wird. An dieser Lösung gibt es aber einige Kritikpunkte. Für viele Länder wäre dieser Vorschlag wenig praktikabel und vor allem in einem Land wie Deutschland, dass auf sein Bargeld schwört, wird dies ein sehr unbeliebter Vorschlag sein. Der IWF sieht aber Potenzial in einem anderen Lösungsansatz. Dieser besteht daraus zwei Parallelwährungen einzuführen. Zwischen der einen Währung, bestehend aus Bargeld und der anderen, bestehend aus Sicht- und Spareinlagen, würde es dann einen Umtauschkurs geben. Der Umtauschkurs könne zudem jeder Zeit verändert werden, damit das Halten von Bargeld so attraktiv gemacht wird, wie Einzahlungen bei der Bank. So wird sichergestellt, dass beide Parallelwährungen gleich viel an Wert verlieren.

Kritik

Vor allem deutsche Wirtschaftswissenschaftler sehen negative Folgen im Vorschlag des IWF. Eine Befürchtung ist, dass es zu einer Kapitalflucht kommen könnte, weil die Ersparnisse umfassend besteuert werden würden. Diese Kapitalflucht hätte dann Auswirkungen, wie eine Abwertung des Euros. Dies wiederum würde zu einem Verlust an Kaufkraft und Wachstum führen. Genau das soll aber verhindert werden. Wirtschaftswissenschaftler sind sich sicher, dass ein Parallelwährungsmodell einer Währungsreform gleichkommen würde, bei der die Bargeldbestände entwertet werden. Sollte der Vorschlag des IWF tatsächlich in die Tat umgesetzt werden, könnte dies zudem das Ende des Euros bedeuten. Derzeit halten es deutsche Wirtschaftswissenschaftler aber für sehr unwahrscheinlich, dass die EZB auf den Vorschlag der amerikanischen Organisation eingehen könnte.




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